Begrüßung Stefan Görnert
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste und Kunstinteressierte, heute eröffnen wir die Gemeinschaftsausstellung und Work in Progress der IV. Kunsthalle unter dem Motto „unterDRUCK“ mit den Künstlern Daphna Koll · Petra Mohr · HD Gölzenleuchter · Michael Dangel und Martin Di Georgi. Von „Work in Progress“ habe ich mich in den letzten Tagen selber vor Ort einen Eindruck verschaffen können, denn nicht weniger der hier ausgestellten Exponate sind erst im Laufe der letzten Tage hier entstanden. „unterDRUCk“ – ironisch in Wermelskirchen eigentlich ein Dauerthema im Spannungsfeld zwischen städtischer Kulturpolitik und den vielfältigen Interessen der Kunstschaffenden. Aber ich möchte den Bogen etwas weiter spannen, denn offensichtlich gibt es ein neues Interesse an Kultur und Kultureller Bildung in ländlichen Räumen. Sowohl der Bund als auch etliche Länder widmen sich mit konkreten Förderprogrammen diesem Thema. Dabei stehen vor allem Gebiete abseits der großen Kulturzentren im Fokus. Die Politik hat erkannt, dass Kulturelle Bildung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt eminent wichtig ist. Vor allem seitdem sich gerade in strukturschwachen ländlichen Regionen der Unmut in neuen unerwünschten politischen Parteien und Aktionen artikuliert, steht das Thema wieder höher im Kurs. Wenn Kunst und Kultur und mithin die Kulturelle Bildung eine so große Bedeutung für die gesellschaftliche Entwicklung haben, wie es allenthalben konstatiert wird, dann kann davon der ländliche Raum nicht ausgeschlossen bleiben. Kulturpolitik, die sich als Gesellschaftspolitik versteht, muss ihn einbeziehen. Diese neue Aktualität der ländlichen Räume im kulturpolitischen Diskurs hat jedoch nicht nur nachvollziehbare politische Gründe, sondern verstärkt eine generelle Entwicklung der Kulturpolitik. Diese strebt immer stärker hin zu einer konzeptbasierten und soziokulturell orientierten Kulturpolitik, die sich stärker als Strukturpolitik versteht, gesellschaftliche Entwicklungen und soziale Kontexte berücksichtigt, Kooperationen befördert und Prozesse anstoßen will. Aber öffentliche Kulturpolitik und Kulturelle Bildung können die Kultur in einer Region, verstanden als Lebensweise, letztlich weder bestimmen noch prägen. Diese bleibt immer rückgebunden an die gelebten Traditionen, historisch gewachsenen Mentalitäten, Erfahrungen, Erinnerungen der Menschen und die besonderen Begabungen und Potenziale in der Region, die ihr ein eigenes Gepräge geben. Sensibilität im Umgang mit den örtlichen Besonderheiten ist für die Akzeptanz öffentlicher Kulturpolitik entscheidend. Das kulturelle Angebot in der Region und die Kulturelle Bildung der Menschen sind entscheidende Voraussetzungen für die kulturelle Teilhabe. Wir als Stadt Wermelskirchen sind stolz darauf, dass wir neben der Kattwinkelschen Fabrik als kommunale Einrichtung eine Vielzahl von Kulturschaffenden und Kulturinteressierten haben, die ein vielfältiges Angebot interessanter kultureller Veranstaltung vorweisen können. Gerade auch bei uns spielt das bürgerschaftliche Engagement eine wichtige Rolle. Es zu entwickeln und zu unterstützen, muss vordringliches Anliegen einer nachhaltigen öffentlichen, städtischen Kulturpolitik sein. Anspruch auf kulturelle Hegemonie tut weder der einen noch der anderen Seite gut. Die Diversität der Kultur ist schließlich immer auch ein Spiegelbild der Pluralität einer Stadtgesellschaft. Kulturelle Angebote sicherzustellen, ist als Teil der Daseinsvorsorge originäre Aufgabe der Kommunen. In erster Linie muss städtische Kulturpolitik die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich die Kultur gut entwickeln kann. Zugleich ist Kultur aber auch ein Kommunikationssystem, das der Gesellschaft einen Reflexionsraum bietet, in dem über Sinn bzw. Werte kommuniziert wird. In diesem Sinne hat Kultur in hohem Maße eine sozial-integrative Funktion, die gerade in Zeiten gesellschaftlichen Wandels unverzichtbar ist. Und wachsam zu sein ist immer die vordringliche Aufgabe aller Funktionsträger. Danken ich möchte an dieser Stelle neben den Künstlerinnen und Künstlern allen Mithelfern, die diese Ausstellung ermöglicht haben, insbesondere jedoch Achim Stollberg, der wieder mit sehr viel persönlichem Einsatz diese „Kunsthalle“ in der Katt ermöglicht hat. Ich wünsche uns allen eine schöne und anregende Vernissage und den ausgestellten Kunstwerken die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Vielen Dank! |
IV. kunsthalle katt 14. - 27. Oktober 2019 Daphna Koll | Petra Mohr | Michael Dangel | H.D. Gölzenleuchter Kattwinkelsche Fabrik, Wermelskirchen Begrüßung - Stefan Görnert, 1. Beigeordneter Stadt Wermelskirchen Einführung - H.D. Gölzenleuchter | Michael Dangel Aufbau & Transport - Nedeljko Komljenovic-Bäumer, Patrick Paul Füllbier, Achim Stollberg Kurator, Presse, Design & Entwürfe - Achim Stollberg |